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  • Die 7 Wurzelsünden der Dramaturgie

    Es finden sich im Internet zahlreiche Ratschläge betreffend das Verfassen von Geschichten. Angefangen davon, wie man die richtige Struktur wählt, über die Entwicklung und Ausgestaltung von Charakteren bis hin zu Tipps für den konkreten Schreibstil und vieles mehr. Natürlich wird dabei auch immer wieder auf allfällige Fallgruben hingewiesen, die man möglichst vermeiden sollte.

    Ich selbst habe sieben Fehler identifiziert, die mir persönlich besonders wichtig erscheinen. Diese möchte ich hier vorstellen und ich nenne sie „die 7 Wurzelsünden der Dramaturgie“. Warum diese Bezeichnung?

    Der Begriff der Todsünde würde implizieren, dass Geschichten, welche derartige Fehler begehen, bereits tot sind oder zumindest im Sterben liegen. Das ist hier gerade nicht der Fall. Die Fehler, die ich hier vorstellen werde, sind, meines Erachtens, substanziell, aber keineswegs immer todbringend. Vielmehr können sie einer Geschichte in unterschiedlichem Ausmaß schaden und gleichzeitig den Grundstein für weitere Probleme legen.

    Und „Dramaturgie“ deshalb, weil ich mich nicht auf ein bestimmtes Medium beschränken möchte. Es geht nicht nur um Romane, nur um Drehbücher für Filme oder Serien oder sonst irgendwas. Diese Fälle können ebenso Comics, Theaterstücke, Videospiele und alles andere betreffen, wo eine Erzählstruktur vorhanden ist.

    Vorab möchte ich natürlich auch festhalten, dass das nur meine persönliche Meinung ist. Es handelt sich nicht um objektive und wissenschaftlich harte Fakten. Ich werde jeweils Beispiele vorbringen und meinen Standpunkt erläutern, dennoch ist es letztlich nur eine Perspektive von vielen. Man muss diesen Ansichten keineswegs zustimmen und jemand, der eine oder mehrere dieser Sünden begeht, ist deshalb nicht automatisch dumm, schlecht oder unfähig. Die eine oder andere Person wird hier vielleicht doch etwas Interessantes finden und dann bin ich schon zufrieden.

    Genug der Vorrede, tauchen wir in die Thematik ein. Zunächst ein kurzer Überblick:

    Keine Emotion

    Das ist eine Sünde, die leider sehr schwierig zu kontrollieren ist. Man kann problemlos eine Figur oder Welt schreiben, die man selbst großartig findet, aber bei jemand anderem überhaupt nicht zündet oder sogar ins Gegenteil umschlägt.

    Es gibt die Ansicht, dass eine Figur bereits eine wichtige Aufgabe erfüllt hat, solange sie überhaupt eine Emotion hervorruft. Aber so einfach ist das freilich nicht. Wenn etwa der Protagonist der Geschichte, mit dem Zuschauer, Leser oder Spieler einen großen Teil der Zeit verbringen sollen, ihnen nicht nur gleichgültig, sondern vollkommen unsympathisch ist, wird es schwierig sein, diese Personen bis zum Ende an die Geschichte zu binden.

    Trotz aller Subjektivität gibt es dennoch ein paar Punkte, die man versuchen kann, im Auge zu behalten, um zumindest keinen groben Fehlgriff zu machen. Eine Garantie gibt es dabei freilich nie.

    Kein Fortschritt

    Es erscheint schwierig zu rechtfertigen, dass jemand mehrere Stunden seines Lebens in eine Geschichte investieren soll, wenn letztlich überhaupt nichts passiert. Doch es gibt natürlich Ausnahmen.

    Für die meisten Geschichten wird es aber notwendig sein, dass etwas passiert. Es muss dabei nicht unbedingt um das Schicksal der Welt gehen oder andere epische Ereignisse. Selbst wenn es nur darum geht, dass zwei Menschen einander verzeihen, ist dies bereits Fortschritt.

    Keine Integrität

    Diese Sünde sollte es, meines Erachtens, gar nicht geben. Sie ist auch, nach meiner Auslegung, in der Tat sehr selten, aber dafür finde ich es umso schlimmer, wenn sie doch vorkommt. Hier geht es schlicht darum, dass Geschichten sich an ihre Regeln zu halten haben oder, wenn sie es nicht tun, dann einen triftigen Grund dafür vorlegen.

    Wird beispielsweise in Folge 1 einer Serie etabliert, dass Menschen definitiv keine Magie wirken können und in Folge 5 derselben Serie taucht plötzlich ein Mensch auf, der Magie wirkt, ohne dass es eine Erklärung dafür gibt, ist das ein gravierendes Problem. Denn ab diesem Moment hat man als Leser oder Zuschauer eigentlich keinen Grund mehr, der Geschichte zu vertrauen.

    Ein bisschen wie die inflationären Wiederbelebungen. Das wäre typischerweise eher eine andere Sünde, schlägt aber in dieselbe Kerbe – Vertrauensbruch.

    Keine Kausalität

    Das ist wahrscheinlich eine der am weitesten verbreiteten Sünden, obwohl es gar keinen guten Grund dafür gibt. So oft passieren Dinge einfach nur, weil die Autoren das jetzt gerade so wollen.

    Entweder weil es dramatisch ist oder weil es bequem ist oder weil ihnen die Ideen ausgegangen sind, um die Handlung voranzubringen oder aus anderen miserablen Gründen. Natürlich gibt es immer Ausnahmen, darauf werden wir noch zur Genüge zu sprechen kommen, aber generell sollte alles, was in einer Geschichte passiert, schlüssig aufgebaut sein.

    Zufälle können gut funktionieren, aber ich plädiere dafür, dass sie in sehr geringen Dosen zu verwenden sind. Je weniger, desto besser.

    Kein Konflikt

    Auch hier natürlich mit der Einschränkung, dass es durchaus vertretbare Ausnahmen geben kann. Wie immer. Dennoch brauchen die meisten Geschichten Widerstand. Es muss dabei nicht um wilde Verfolgungsjagden oder ästhetische Kampf-Choreographien gehen. Aber irgendein Widerstand ist notwendig, um die Geschichte interessant zu gestalten.

    Person A will etwas, Person B hat es, will es aber nicht aufgeben oder Person B muss zustimmen, will aber nicht, etc.

    Auf die genaueren Umstände werde ich freilich im entsprechenden Beitrag näher eingehen. Aber normalerweise will man ja erleben, wie ein Charakter Herausforderungen bewältigt und dazu braucht es erst mal Gegenwind.

    Keine Konsequenz

    Eine der für mich schlimmsten Sünden. Zusammen mit Integrität und Kausalität. Da bewegen wir uns jetzt im Land der inflationären Wiederbelebungen. Ein Charakter stirbt und wenig später ist er wieder da. Und das immer und immer und immer wieder.

    Das kann funktionieren, ist aber, meines Erachtens, ein sehr gefährliches Spiel mit dem Feuer, auf das man sich besser gar nicht erst einlässt.

    Wenn Konsequenzen angedroht werden, müssen diese auch zwingend eingehalten werden, sofern ihre Bedingungen erfüllt sind. Andernfalls hat man auf Dauer ein ähnliches Problem wie bei anderen Sünden – Vertrauensbruch. Die Zuschauer oder Leser können nicht mehr darauf vertrauen, dass die beschriebenen Ereignisse auch tatsächlich gelten.

    Kein Verlangen

    Das ist wieder eine deutlich schwierigere Angelegenheit, da dieses Thema sehr subjektiv ist, ähnlich wie Emotion. Aber irgendetwas muss die Geschichte anbieten, worauf man gespannt ist. Wenn die Leser nur dasitzen und sich denken, „ok, ist mir egal, können wir bitte weitermachen?“, hat man als Autor ein Problem.

    Auch hier muss es keine große Sache sein, genau wie bei Fortschritt oder Konflikt. Es kann schon reichen, wenn es einem gelingt, die Zuschauer oder Leser auf eine Kleinigkeit neugierig zu machen. Hauptsache irgendwas ist da, was sie interessiert und in ihnen das Bedürfnis weckt, das Buch nicht sofort wieder wegzulegen oder gleich die Fernbedienung in die Hand zu nehmen.

    So viel zum Einstieg. Mein erster Eintrag wird eine der selteneren, aber meiner Meinung nach auch eine der schlimmsten Sünden sein – keine Integrität.

    Danke fürs Lesen!